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Dorothy Sayers: Verdacht

- Inhaltsangabe und Interpretation -

Eine Krimigeschichte nach klassischem Muster: Guter Spannungsaufbau, gute Schlusspointe.

Die Übersetzung von Dantes Göttlicher Komödie ins Englische war für Dorothy Sayers ihr gelungenstes Werk. Und in der Tat ist das Werk von den Kritikern angeblich gerühmt worden. Doch bekannt wurde sie durch ihre Krimis, gehört in eine Reihe mit Agatha Christie, Arthur Conan Doyle oder Georges Simenon. Ein Beispiel ihrer Mordgeschichten, ein klassischer Arsenmord im englischen Stil, ist "Verdacht".

Inhaltsangabe

Seit einem Monat arbeitet Mrs. Sutton als Hausmädchen bei Mr. und Mrs. Mummery. Sie sind zufrieden mit ihr. Aber beide Eheleute sind etwas krank.

Seit einiger Zeit sind die Zeitungen voll von einem Hausmädchen, das ihre Herrschaften mit Arsen vergiftet. Allmählich wächst bei Mr. Mummery der Verdacht gegen Mrs. Sutton, die genauso lange bei ihnen arbeitet, wie die Mörderin seit dem letzten Giftmord verschwunden ist. In seinen alten Zeitungen sind alle Berichte über den Giftmord herausgeschnitten. Im Gartenschuppen entdeckt er außerdem eine Dose mit Unkrautmittel, deren Verschluss vor kurzem geöffnet worden ist.

Eines Abends bemerkt er an dem Kakao, den Mrs. Sutton für ihn zurechtgestellt hat, einen Nachgeschmack. Mr. Mummery bringt eine Probe von dem Kakao zu einem befreundeten Apotheker, um sich Gewissheit zu verschaffen. Sie enthält Arsen.

Er fährt nach Hause, um seine Frau vor Mrs. Sutton in Schutz zu nehmen. Als er eintrifft, verlässt gerade ein junger Mann das Haus. Eben, als Mr. Mummery seiner Frau von dem Gift im Kakao berichten will, platzt Mrs. Sutton herein: Die Giftmörderin, so erzählt sie, sei verhaftet worden. Mr. Mummery ist wie vor den Kopf gestoßen: Alles ein Irrtum. Er will Mrs. Sutton beinahe um Verzeihung bitten, da fällt ihm der Kakao wieder ein. Er blickt zu seiner Frau hinüber und bemerkt etwas in ihren Augen, was er noch nie gesehen hat.

Interpretation

"Verdacht" ist geradezu der Prototyp einer Kriminalgeschichte: Der Verdacht des Lesers gegen eine Person wächst allmählich, verdichtet sich zur Gewissheit.

Parallel zu dem sich entwickelnden Verdacht gegen das Hausmädchen, gleichsam zur Bestätigung desselben, entwickelt sich die Krankheit von Mr. Mummery. Zunächst verdrängt er, dass er krank ist, schiebt es auf seine verkühlte Leber.

Mr. Mummery wird als jemand geschildert, der den Anschein nicht für die Wirklichkeit nimmt. Als er von dem Giftmord liest, ist er von der Schuld des geflohenen Hausmädchens nicht überzeugt. Er stellt Mrs. Sutton nicht zur Rede, wie er es beabsichtigt hatte, als sich der Verdacht gegen sie erhärtet und so weiter.

Der Leser zählt eins und eins zusammen, addiert zu den "Beweisen", die gegen Mrs. Sutton sprechen, noch die Krankheitsanzeichen bei Mr. Mummery, und wird immer mehr von der Schuld des Hausmädchens überzeugt.

Erst ganz am Schluss erweist sich der Verdacht gegen Mrs. Sutton als unbegründet. Mr. Mummery, der sich so viel Sorgen um seine Frau gemacht hat, muss erkennen, dass es seine eigene Gattin war, die ihn umbringen wollte, dass seine eigene Frau seinen Kakao vergiftet hat. Gerade die Person, die scheinbar das nächste Opfer werden sollte, ist der Täter. Wahrscheinlich ist der junge Mann das Motiv, den Mr. Mummery das Haus verlassen sieht, als er unvermutet früh nach Haus zurückkehrt.

Das Thema ist uralt, der Giftmord ein in zahllosen Geschichten und Filmen behandeltes Kriminalproblem, das Thema par excellence für eine britische Autorin. Und doch gelingt es Dorothy Sayers, den Leser auf die falsche Fährte zu locken, und ihn am Schluss der Geschichte zu überraschen.

Dorothy Sayers

Die Britin Sayers (1893-1957) ist durch die über 20 Detektivromane vielen bekannt. In vielen leitet Lord Peter Wimsey die Ermittlungen. Das gilt auch für ihre Kurzgeschichten, veröffentlicht in den Sammlungen "Lord Peter Views the Body" (1928), "Hangman“s Holiday " (1933) und "In the Teeth of the Evidence" (1939).

Bibliographisches

Letzte Änderung: Juni 2005

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